„Die Gäste verdienen Aufmerksamkeit“

Die Ökumenische Wohnungsloseninitiative „Gast-Haus statt Bank“ erhält den LWL-Sozialpreis

Alle Hände voll zu tun auch in der Corona-Zeit: Das Team des Gast-Haus packt Lunchpakete für die Gäste. Diese werden dann durch eine Scheibe verteilt. Foto: Maas

 

Dortmund. Mit 2000 Euro zeichnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Arbeit von „Gast-Haus statt Bank“, der Ökumenischen Wohnungslosen-Initiative, aus (Der Dom berichtete). „Der Preis macht uns sehr stolz. Wir freuen uns, dass unsere Arbeit gewürdigt wird“, betont die Geschäftsführerin des Vereines, Katrin Lauterborn. Und das Geld kommt zur rechten Zeit, denn auch das Gast-Haus leidet unter der Corona-Pandemie.

von Wolfgang Maas

„Das Preisgeld geht komplett in unseren täglichen Bedarf“, erklärt Katrin Lauterborn. Das bedeutet derzeit, dass damit die Lunchpakete für die Gäste ermöglicht werden. Diese gibt der Verein täglich aus. Doch in Zeiten von Corona sind die Spenden zurückgegangen, wofür die Geschäftsführerin Verständnis hat. Kurzarbeit, die Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut– viele Menschen müssen derzeit ihr Leben neu sortieren.

Vor dem Gast-Haus an der Rheinischen Straße, gegenüber vom Dortmunder U, warten täglich Hunderte Menschen. Morgens ist die Schlange so lang, dass die Gäste einmal um den ganzen Block herum stehen. „Es werden mehr“, weiß auch Katrin Lauterborn. Rund 350 Hilfesuchende kommen täglich zum Gast-Haus. Davon lebt nicht jeder durchgängig auf der Straße. „Ganz viele Gäste leben an der Armutsgrenze. Sie machen 50 Prozent aus.“ Das heißt, dass diese Menschen einen Ort zum Schlafen haben, auch wenn sie über keine eigene Wohnung mehr verfügen.

Rund 250 ehrenamtlich Engagierte

Vor rund vier Jahren, zum 20-jährigen Bestehen der Initiative, hat der Dom die Räumlichkeiten bereits besucht. Viel hat sich seitdem geändert, „wir haben uns weiter professionalisiert“, sagt Katrin Lauterborn, die inzwischen hauptamtlich als Geschäftsführerin arbeitet. Die Stadt Dortmund finanziert eine Stelle für einen Sozialarbeiter, eine Ehrenamtskoordinatorin hat eine halbe Stelle, das Sekretariat ist besetzt. Diese hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirken im Hintergrund, damit die Ehrenamtleres sind inzwischen 250 und Interessierte sind jederzeit willkommensich ihrer eigentlichen Arbeit widmen können.

Auch das Beratungsangebot wurde erweitert. Eine Anwältin hat zweimal in der Woche eine Sprechstunde, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Jobcenter, vom Sozialamt und von der Diakonie kommen ins Gast-Haus. „Die Wege zum Amt alleine zu gehen schaffen viele nicht. Viele haben Angst“, weiß Katrin Lauterborn. Hier fühlen sie sich wohl, nehmen die Beratung an. Und jeder Gast wird auf Augenhöhe behandelt.

Neben einem Allgemeinmediziner gibt es auch Behandlungen von Augenärzten, Gynäkologen, Zahnärzten, eine psychiatrische Sprechstunde sowie eine Psychotherapeutin. Dazu kommt aktive Seelsorge durch Geistliche.

Mehr Platz für Beratungsräume

Insgesamt kommt das Gast-Haus räumlich mittlerweile an seine Grenzen. „Im Haus nebenan nehmen wir eine Etage dazu. Dort gibt es dann auch Beratungsräume.“

In zwei Wintern hat der Verein eine Notschlafstelle für 30 Personen angeboten. Hier konnten die Gäste und auch ihre Hunde übernachten, ohne etwa ihren Ausweis zeigen zu müssen. DasZiel war, „Menschen vor dem Kältetod zu retten“. Das Angebot wurde sehr gut angenommen.

Eine Herzensangelegenheit ist es dem Verein, ein eigenes Hygienezentrum zu entwickeln. An der Rheinischen Straße gibt es zwei Duschen, die während der Corona-Zeit nicht benutzt werden dürfen. Doch der Bedarf ist trotzdem da. Zusammen mit dem Team des Wärmebusses sowie dem Verein Bodo wurde in einer ehemaligen Unterkunft für Geflüchtete eine Alternative gefunden.

Eine Frage macht Katrin Lauterborn allerdings noch immer große Sorgen: „Wann gibt es wieder einen Ort, wo sich unsere Gäste aufhalten können?“ Derzeit sei das im Gast-Haus nicht möglich, weshalb viele mit ihren Lunchpaketen auf dem Bürgersteig zusammenstehen und reden. Aber dafür müsse man erst abwarten, wie sich die Pandemie entwickelt.

Info

Drei Säulen

Seit der Gründung vor fast 25 Jahren ruht die Arbeit der Ökumenischen Wohnungslosen-Initiative „Gast-Haus statt Bank“ auf drei Säulen. Dies sind das Ehrenamt, die Sachspenden sowie Geldspenden. Wer die Arbeit unterstützen will, kann das Spendenkonto mit der IBAN DE90440501990021029270 nutzen.

Weitere Infos unter: www.gast-haus.org

 

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